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Presse

Firma eine Woche ohne Telefon

Das Druckhaus Rammenau stand plötzlich ohne Anschluss da. Erst als sich die SZ einschaltet, bewegt sich etwas.

26.08.2019, Sächsische Zeitung von Manuela Paul

Rammenau. Carsten Puhlmann weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll. Ein solches Desinteresse an einem Kundenproblem habe er bislang noch nicht erlebt, so der Inhaber des Rammenauer Druckhauses. Was war passiert? Im Dezember vorigen Jahres bekam der Unternehmer Post von der Telekom. In dem Schreiben teilte der Kommunikationsriese dem Firmenchef mit, dass er der Telefonanschluss seines Druckhauses auf IP – die sogenannte Internettelefonie – umstellen lassen müsse. Denn die Zeiten des analogen Festnetzes gehen inzwischen dem Ende entgegen. Lehne er die Umstellung ab, müsse man den Anschluss kündigen, hieß es in dem Telekom-Brief.

Kurz nachdem Carsten Puhlmann sein Okay zur beabsichtigten Umstellung von ISDN auf IP gegeben hatte, kam die Information, dass die Umrüstung im Februar erfolgen werde. So weit, so gut. „Doch kurz danach wurden wir informiert, dass die geplante Umstellung nicht funktioniere und wir mit unserem ISDN-Anschluss weiter leben müssten“, erinnert sich der Geschäftsmann. Umgehend habe er bei der Telekom auf die Kündigung hingewiesen, die man ihm angedroht hatte, falls er in die Umstellung nicht einwillige. „Da hieß es, ich solle mir keine Sorgen machen, das gehe schon klar.“ Wieder ein paar Tage später teilte die Telekom mit, dass die Umstellung nun doch in Angriff genommen werde und am 15. August erfolge. Kurz danach erhielt der Firmenchef ein Schreiben, mit einer Terminänderung. Nun sollte die Internettelefonie bei ihm am 3. September eingerichtet werden. Bis dahin war alles gut.

„Nummer nicht vergeben“

Das böse Erwachen kam am 15. August. Da stellten die Mitarbeiter des Druckhauses fest, dass sie nicht mehr nach draußen telefonieren konnten. Und auch von außerhalb kam kein Anruf zu ihnen durch. Wer die Festnetznummer der Druckerei wählte, bekam nicht etwa einen Mitarbeiter an die Strippe, sondern die Automaten-Ansage zu hören, dass diese Nummer nicht vergeben sei. Der Geschäftsführer telefonierte erst mit der Stör-Hotline und dann mit dem Kundendienst. Dort erfuhr er schließlich, dass man seinen Auftrag wohl schneller auf den neuen Server gezogen habe, als sich die Umstellung bewerkstelligen lasse und dann sei es jetzt eben so. „Die Kundendienstmitarbeiterin erklärte mir, vor dem 3. September könne man nichts machen und wenn ich noch länger diskutiere, hielte ich sie nur davon ab, Leuten zu helfen, die Probleme haben“, erzählt Carsten Puhlmann. Der Geschäftsführer fragte noch, wer eigentlich für den Ausfall aufkomme, der ihm durch die gekappte Leitung entstehe. „Da wurde mir gesagt, ich solle alles gut dokumentieren.“ Doch wie soll das gehen?, fragt er sich. Er könne ja nicht wissen, wer ihn zwecks Auftragserteilung kontaktieren wollte. Der Druckhaus-Inhaber wollte sich mit dem Status quo nicht abfinden. „Drei Wochen ohne Telefon, das geht gar nicht. Das kann man auch gar keinem vermitteln.“ Also telefonierte der Firmenchef weiter, wand sich an verschiedene Telekom-Stellen und fragte, ob man nicht wenigstens eine Rufumleitung oder Bandansage mit dem Verweis auf seine Mobilnummer schalten könne. Doch immer wieder hieß es, das gehe nicht. Mehr passierte nicht. Was dieses das-geht-nicht für das Druckhaus bedeutete, interessierte niemanden. Und es kümmerte sich auch keiner darum, wie das Druckhaus – übrigens mit 14 Mitarbeiten wahrlich kein so kleines mittelständisches Unternehmen – wieder ans Netz kommt. Erst als die Sächsische Zeitung letzten Donnerstag eine offizielle Anfrage an die Pressestelle der Telekom geschickt hatte, kam plötzlich Bewegung in die Sache. Einen Tag, nachdem die Anfrage raus war, tauchte Freitagnachmittag plötzlich ein Techniker bei Carsten Puhlmann auf. Ein paar Stunden und einige Flüche später („der Telekom-Mitarbeiter hatte nämlich seine liebe Not, uns wieder ans Netz zu bringen“, so Carsten Puhlmann) stand die Telefon-Leitung wieder. Der Unternehmer ist überglücklich, dass die Leitung endlich wieder funktioniert. Auch wenn noch nicht alles richtig klappt. „Wenn wir jemanden anrufen, zeigt es eine kryptische Telefonnummer an“, so der Unternehmer. Egal. „Hauptsache wir können wieder angerufen werden und auch anrufen.“

Rufumleitung nicht möglich

Weshalb diese Panne passierte, dazu ist aus der Telekom-Pressestelle nichts zu erfahren. Aber warum zur Überbrückung nicht wenigstens eine Rufumleitung oder Bandansage geschaltet wurde, erklärt Pressesprecher Dr. Rainer Knirsch: „Nachdem der Anschluss nicht mehr aktiv war, ließ sich weder eine Bandansage noch eine Umleitung einrichten. Wir haben uns daher auf den schnelleren Lösungsweg konzentriert, den Kunden mit dem gewünschten Anschluss wieder ans Netz zu bringen. Dies ist Freitag gelungen.“

Quelle / Artikel-URL: Sächsischen Zeitung, 26.08.2019 | https://www.saechsische.de/firma-eine-woche-ohne-telefon-5110977.html

 

 

Insolvenz mit Happy-End

Das Druckhaus Central in Rammenau hat einen neuen Eigentümer. Er sieht gute Chancen – auch weil er das Unternehmen breiter aufstellen wird.

13.07.2018, von Ingolf Reinsch

Rammenau. Die Beschäftigten des Druckhauses Central mit Sitz in Rammenau schauen wieder nach vorn: In ihrem Unternehmen geht es mit einem neuen Eigentümer weiter. Der Dresdner Carsten Puhlmann kaufte den Betrieb aus der Insolvenz heraus. „Wir haben sehr gut zu tun. Die Auftragsbücher sind voll“, sagte Carsten Puhlmann in dieser Woche der SZ.

Er übernahm acht von zuletzt elf Mitarbeitern der vorherigen Eigentümergesellschaft. Die Auswahl, wer bleiben darf, habe nicht er, sondern der Insolvenzverwalter getroffen, sagte der neue Eigentümer. Er möchte zum einen das Druckhaus Central mit seinem bisherigen Portfolio – dem Drucken von Formularen, wie zum Beispiel Briefköpfen, Überweisungsträgern, Schecks und Wertgutscheinen, Kunden- und Visitenkarten – fortführen. Zum anderen sollen mit dem Digitaldruck neue Geschäftsfelder hinzukommen. Dadurch ist es möglich, künftig auch Broschüren, Faltblätter, Mappen und Bücher in Rammenau zu drucken. Das geht von großen bis zu ganz kleinen Auflagen. „Wir runden damit unser Leistungsspektrum ab und wollen den Betrieb zukunftssicher aufstellen“, sagt Carsten Puhlmann.

Er sieht sich als Teamplayer. Nicht er, sondern der Betrieb stehe im Vordergrund, sagt er mehrfach im SZ-Gespräch. Und er fügt hinzu: „Unser wichtigstes Kapital sind unsere Kunden und unsere Mitarbeiter.“ Die Kunden, die in ganz Deutschlands zu Hause sind, hielten der Druckerei auch während der Insolvenz die Treue. Zudem gelang es dem Insolvenzverwalter, in kurzer Zeit einen Käufer zu finden. Ende April hatte die Druckhaus Central GmbH Insolvenz angemeldet. Carsten Puhlmann kaufte nicht die Gesellschaft, sondern den Betrieb. Eigentlich war er nur auf der Suche nach einer Halle, berichtet er. Doch der Insolvenzverwalter habe ihn davon überzeugt, dass es in Rammenau „einen Super-Betrieb“ mit gut ausgebildeten und motivierten Mitarbeitern gibt. Die IHK und ein Beratungsunternehmen halfen mit ihrem Know-how bei der Übernahme.

Kleine Auflagen produzieren

Carsten Puhlmann besitzt in Dresden eine Druckerei. Beide Unternehmen, CP Werbung mit sechs Mitarbeitern in der Landeshauptstadt und das Druckhaus Central in Rammenau, ergänzen sich. Von der Zusammenarbeit verspricht er sich Synergien. Zu den Kerngeschäften seiner Dresdener Firma gehört ein Lettershop. Geschäfts- und Behördenpost, Werbemailings, Bank- und Scheckvordrucke, Tagungsunterlagen und andere Drucksachen werden – auch personalisiert – dort gedruckt, adressiert, kuvertiert und versandt. Künftig soll es hier eine Arbeitsteilung geben: der Druck in Rammenau, der Versand in Dresden. Dort sitzt CP Werbung in Nähe der Autobahn 4. „Wenn die frei ist, fährt man 20 Minuten vom einen zum anderen Betrieb“, sagt der 48 Jahre alte Unternehmer. Trotz wachsender Digitalisierung aller Lebensbereiche ist er zuversichtlich: Dienstleistungen, wie sie seine Firmen anbieten, werden auch in Zukunft gebraucht. Das Drucken von Formularen, das in Deutschland kaum noch eine andere Druckerei anbietet, und die Möglichkeit, auch kleine Auflagen kostengünstig zu produzieren, sind Stärken, die man nutzen und ausbauen möchte.

Das Unternehmen in Dresden stößt räumlich an seine Grenzen. Deshalb sollen in den kommenden Monaten rund 20 Maschinen nach Rammenau umgesetzt werden. Bei steigender Auftragslage könnte in Zukunft auch die Belegschaft wachsen. Aktuell sucht Carsten Puhlmann einen Offsetdrucker – und noch für das bevorstehende Ausbildungsjahr einen Lehrling in diesem Bereich. Der Firmenchef selbst erlernte das Druckereihandwerk von der Pike auf. Er ist von Haus aus Schriftsetzer.

Das Druckhaus Central ging aus dem Druckhaus Bischofswerda hervor. Mehrere Mitarbeiter sind mit dem Unternehmen seit Jahrzehnten verbunden. Ende 2015 zog das Druckhaus ins Rammenauer Gewerbegebiet um. Seit dem Jahr 2017 firmiert es als Druckhaus Central – in Anlehnung an den einstigen Hauptgesellschafter, das Handelshaus Central Weimar, das wiederum mehrheitlich dem Trägerwerk Soziale Dienste in Dresden gehört. Das Trägerwerk ist und bleibt Eigentümer der Immobilie in Rammenau. Das Druckhaus mietet die Räume. Am Namen Druckhaus Central hält Carsten Puhlmann fest. Bei den Kunden sei dieser Name eingeführt, sagt er. Bald vielleicht nicht mehr nur in Deutschland. Es gibt mittlerweile auch eine Anfrage von einer Schweizer Bank, die in Rammenau Formulare drucken lassen möchte.

Quelle / Artikel-URL: Sächsischen Zeitung, 13.07.2018 | http://www.sz-online.de/nachrichten/insolvenz-mit-happy-end-3975181.html

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